Ja, ich gehöre zu den Dinosauriern, die noch eine richtige Stereoanlage nutzen. Inklusive eines der jetzt wieder trendigen Plattenspieler und ganz ordentlicher Boxen.

Musik ist schon lange mein Begleiter. Als Jugendlicher hing ich fast täglich im Plattenladen rum, um das neue Album (Vinyl) meiner Lieblingsband zu hören, bis das Taschengeld für den Kauf reichte. Aus heutiger Sicht, waren das seltsame Zeiten. Musik war Mangelware. Es gab immer mehr gute Musik, als finanzielle Möglichkeiten.

Schallplattenspieler

Jetzt wieder in: Schallplatten

Die Digitalisierung der Musik, in der ersten Stufe durch den Träger “CD” und in der zweiten Stufe durch MP3 und Streaming stellten stellen mich als Musikfan vor große Herausforderungen. Die Geldsummen, die in den Trägermedien steckten, sind nicht unerheblich. Die aufgeregte Diskussion über Klangqualitäten oder nicht, kommt dazu. Umzüge und die Einrichtung des Wohnzimmer waren vom notwendigen Lagerplatz der Alben und der Anlage dominiert.

Der lange und nicht ganz vollständige Abschied von den Trägern Vinyl und CD gelang über einen längeren Zeitraum. MP3  stellte für mich viele Jahre keine echte Alternative dar. Mein jüngerer Bruder lästerte bereits freudig über meinen technologischen Rückstand.

Irgendwann machte sich die – unerfreuliche-  Erkenntnis breit, dass ich nie wieder hunderte von Alben in Ruhe auf der Coach sitzend durchhören würde. Bevor ich die Schallplatten und CD-Sammlung bis auf “emotional bedeutende Restbestände” auflöste, wollte ich die Musik aber zentral speichern und in der Wohnung verfügbar machen. Die Abschaffung der Stereoanlage stand nicht zur Debatte.

Nach einiger Zeit war der Großteil der Titel ohne eigene Trägermedien verfügbar. Mit etwas Zeit und Mühe sogar in einer Qualität, die meinen Anforderungen genügte.

iTunes

iTunes

Dann folgte eine lange technische Odyssee. Einfache Verwaltung, zentraler Speicherort, verfügbar in mehreren Räume und über die Stereoanlage abspielbar. Das waren meine Ziele.

Die Fehlversuche und Investitionen in diesen Monaten waren:

  • Ein altes Notebook als Musikserver durchlaufen zu lassen.
  • Zusätzliche Aktivlautsprecher im Schlafzimmer
  • NAS-Festplatte als Musikserver am Router oder Notebook
  • Diverse kostenfreie No-Name-Musik-Streaming-Verwaltung-Software

Geblieben ist die Erkenntnis, dass der Aufbau eines eigenen Musiknetzwerkes meinen zeitlichen Rahmen und meine Kompetenzen und Geduld überschritt. Eine stabile technische Lösung zu etablieren, ist mir in dieser Zeit nicht gelungen. Die ausschließlich an den offenen Standards orientierten Lösungen verschiedener Hersteller arbeiteten nie zuverlässig zusammen.

Zufällig stieß ich dann auf ein Produkt namen “Connect”, welches es erlaubte eine an den Router angeschlossene Festplatte mit Musik auf der Stereoanlage verfügbar zu machen. Die Musikbibliothek konnte über Notebook oder Smartphone-App angesteuert werden. Mehreren Probewochen bestätigen, dass die Software der Firma SONOS stabil läuft. Eine zusätzliche Software zum Verwalten der Musik war leider trotzdem nötig. Nach den schlechten Erfahrungen mit anderen Lösungen nutze ich wieder iTunes, allerdings ohne Anbindung an ein Konto.

Über die aktiven Lautsprecher der Firma SONOS ist es möglich, auch andere Räume mit Musik zu versorgen.

Wie ist der aktuelle Stand der Lösung?

  • Es existiert eine technische Infrastruktur,  die meinen Lebensgewohnheiten und Priorität entsprechend erlaubt Musik zu hören.
  • Ich besitze jetzt noch 2-3% der meiner Vinyl-Platten.
  • Die CD-Sammlung umfasst maximal 1% der ursprünglichen Menge.  Neue CDs werde ich nicht mehr kaufen.
  • Die überflüssigen Platten- und CD-Regale sind verkauft.
  • Da die gefundene Lösung auch das Streaming von Radiosendern erlaubt, wurden  auch alle Radios in der Wohnung überflüssig.
  • Die Stereoanlage konnte entgegen der ursprünglichen Pläne abgespeckt werden. Tuner und separater CD-Player wurden überflüssig.
  • Das große repräsentative HiFi-Rack wird verkauft. Es ist einen kleinen kompakten Lösung gewichen.
  • Ich habe mich im Jahr 2015 wieder so intensiv mit Musik beschäftigt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Was hat die gefundene Musik-Lösung mit #Minimalismus zu tun?

  • Ein Ziel war es, den Teil meines Besitzes, der durch neue Technologie seine  Funktion verloren hat, zu reduzieren. Auch wenn dieser Besitz stark emotional geprägt ist.
  • Platz durch den Wegfall der Trägermedien zu schaffen.
  • “Weniger ist mehr” war bei der Wahl der Lösung eine wichtige Größe. Alle technische Lösungen, die viel Zeit und Nerven zur Pflege und Konfiguration erforderten wurden wieder verworfen. Die Zeit, die ein laufendes System zur Wartung bedarf sollte minimal sein. Technik als Mittel zur Lebensqualität eben und nicht als Selbstzweck.
  • Durch den Zugriff auf alle Titel stellte ich nach einiger Zeit fest, dass ich zuviel Musik besitze. (Schreib ich das jetzt wirklich?) Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, da erste Musiktitel aus der Sammlung fliegen.

Die zentrale Erkenntnis?

  • Digitale Technologie eröffnet viele neue tolle Möglichkeiten. Gerade durch die Vernetzung verschiedener bisher unabhängiger Komponenten entsteht aber eine maximale Komplexität, die ihrem Raum einnimmt.  Ähnliche Erfahrungen durfte ich beim Neukauf meiner Kamera vor über einem Jahren machen.